Ich sammle gefallene Äste im Wald und bemale sie teilweise weiß, sodass gestrichelte Linien entstehen. Ich lege diese Äste auf den Boden, bilde Wege, die sich verzweigen und enden. Ich bin in Weiß gekleidet und trage einen Code auf meinem Rücken. Wird dieser mit einem Smartphone gescannt, aktiviert der Code eine Augmented-Reality-Szene: Schmetterlingsflügel, zart und transparent, die in der Luft zittern.

Die Intervention ist ein Versuch, einen oder mehrere mögliche Zukünfte ausschließlich mit den vor Ort vorhandenen natürlichen Ressourcen zu skizzieren. Gleichzeitig evoziert die Arbeit die Idee des Schmetterlingseffekts: Eine minimale Geste, wie das Schlagen von Flügeln, kann ausreichen, um die Zukunft unwiderruflich zu verändern.

Die auf die Äste aufgetragene Farbe ist kaseinbasiert und biologisch abbaubar. Die Wege verschwinden nicht beim ersten Regen, sondern verblassen langsam über die Zeit, bis jede Spur meiner Intervention ausgelöscht ist. Die Klimakrise erfordert sofortiges Handeln: Die Zeit, die wir verstreichen lassen, ist nicht neutral, denn die Folgen unseres Handelns verschwinden nicht so leicht wie die Spuren, die wir hinterlassen.

Die Flügel, die ich auf meinem Rücken trage, verwandeln mich nicht in einen Schmetterling: Sie sind ein vermitteltes, fragiles Bild, abhängig von der Technologie. Ohne sie bleibt der Code ein stummes Zeichen, das ein unsichtbares und unkontrollierbares Konzept enthält.

Wäre es dennoch möglich, Freundschaft mit einem Schmetterling zu schließen?
„Das ist möglich, wenn man zuerst selbst Teil der Natur wird. Man unterdrückt seine menschliche Präsenz, bleibt ganz still und überzeugt sich, ein Baum, Gras oder eine Blume zu sein. Es braucht Zeit, doch sobald der Schmetterling seine Wachsamkeit aufgibt, kann man ganz natürlich Freundschaft schließen.“ (Haruki Murakami, 1Q84)

© Maria Korporal, 2026

 

Die Intervention findet im Juli 2026 statt, im Rahmen des Land-Art-Projekts
L.A.P. A.R.T.
Rifugio forestale Cascina Tiole – Piancastagna Parco Naturale Regionale – Regione Piemonte, Italien

Siehe auch: https://www.instagram.com/solarlapart/

Im März 2026 besuchte ich den Rifugio forestale Cascina Tiole, um mir den Ort anzusehen und die Augmented Reality zu testen.
Es funktionierte einwandfrei, und man kann sehen, wie meine Schmetterlinge um die laufenden Arbeiten anderer Künstlerinnen herumfliegen: “Seven ladders in the woods” und “Sangue verde”.